Achtung Deutschland!? - Page 4 - U2 Feedback

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Old 05-26-2006, 05:41 AM   #46
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Rammstein is allerdings auch zum Kotzen. Drecksnazibande.
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Old 05-26-2006, 10:18 AM   #47
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whenhiphopdrovethebigcars schrieb: Rammstein is allerdings auch zum Kotzen. Drecksnazibande.
was erzaehlst denn du fuer einen schmarrn...??? rammstein waren noch nie nazis, wie kommst du denn auf den mist? da hast du aber gar keine ahnung. mach dich mal schlau und glaub nicht alles, was bestimmte schreiberlinge schreiben...von wegen nazis...
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Old 05-26-2006, 01:18 PM   #48
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alloooh alda --- keine verharmlosungen biddeh - unterstell mir keinen scheiss, ja? mach dich da ma selber schlau bevor du die fäuste streckst - dass du´n fan bist und die harten drecksäue (die auch mal nen song wie links 2,3,4 schreiben, na und, solang sie rechtsextremismus-diskussionen als promotion aktiv nutzen um in der presse zu bleiben - sowas find ich widerwärtig) dich ja offensichtlich sowas von aufgeilen beeindruckt mich nichtmal peripher.

http://www.gruene-jugend.de/aktuelle...rem/63308.html
Wichtig ist, dass viele Rechtsextreme heute salonfähig sein wollen und sich auch dementsprechend verhalten (sogar Ausstiege inszenieren!). Diese faschistoideren Bereiche der Gesellschaft richten sich gegen Demokratie (diese sei unnatürlich) und Christentum (die Nächstenliebe des Christentums füttere Schwache durch und das solle nicht so sein). Diese Menschen wollen andere Leute erreichen als die NPD, über Unis etc. Es sind keine "Krawalltypen", sondern Leute, die dosiert Einfluss nehmen können (durch leicht antidemokratische Tendenzen in Vorträgen an Unis etc.). Diese Rechten sind viel gefährlicher, denn sie werden von Medien und Öffentlichkeit noch nicht wahrgenommen und können so das, was schon salonfähig ist, noch salonfähiger machen. Rammstein stellte einen Türöffner für rechte Musik dar. In der Zeitung "Junge Freiheit" wurde ihre Musik als "harte deutschsprachige Musik mit Top-10- Potential” bezeichnet. Bezeichnend auch folgende Wertung: ”Daumen hoch für Rammstein und alles, was in ihrem Fahrtwasser jetzt auf uns zukommen mag” Die Rechtsextremen mussten es nur noch ernst meinen. Vor 10 Jahren gab es eine rechte Musikszene, heute gibt es mehrere. Früher ging es nur darum, alte Naziparolen zu verbreiten, mittlerweile behandeln die Texte komplexe Themen. Das ist viel gefährlicher, weil es gerade darum geht, wie man an die intellektuelleren Leute herankommt.

http://www.lehrer-online.de/dyn/9.asp?url=412486.htm
Wie stellt sich die Musik des Rechtsrocks heute dar?
Über lange Zeit war Rechtsrock auf die Skinhead-Szene beschränkt - wenngleich nur ein Teil der Skinheads rechtsradikal ist - und Oi-Musik der Inbegriff der Szenemusik. Heute zeichnet sich ein wesentlich vielschichtigeres Bild ab. Die rechtsextremen Organisationen versuchen immer mehr, die musikalischen Abgrenzungen aufzuheben und infiltrieren möglichst viele Arten von Musik und Jugendkulturen. Das Spektrum reicht von

Skinhead-Bands (Kraftschlag, Noie Werte),
NS-Black-Metal (Burzum, Möbus von Absurd)
(...)
Hatecore als rechter Ableger von Hardcore (Wandteufel),
volkstümlicher Musik (Zillertaler Türkenjäger),
bis zu klassischer Bardenmusik (Annette, Rennicke), die gleichsam aus der Mitte der Gesellschaft kommt,
oder der Gothic-Szene, die sich sehr auf ihre Romantik in Schwarz beruft, und im Neofolk (Death in June) eine rechte Ausprägung erfahren hat (Funk-Hennigs 1994; Baacke 2000; Archiv der Jugendkulturen 2001; Dornbusch 2002; im Internet: Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit in NRW)

Eminem oder Rammstein: rechts ist schick
Auch der Mainstream bleibt von rechten Einflüssen nicht verschont. Die Böhsen Onkelz haben sich offiziell von ihrer rechten Vergangenheit distanziert und konnten inzwischen im Mainstream Fuß fassen. Eminem macht sich auf einer rein rhetorischen Ebene über Minderheiten wie Schwule lustig. Wo die Popmusik früher gerade die Rechte von Minderheiten eingeklagt hat, ist es heute eher schick geworden, den Erfolg auf Kosten von Minderheiten aufzubauen. Ein drittes Beispiel: Die Gruppe Rammstein, die zur "neuen deutschen Härte" zu rechnen ist, zitiert in ihrem Videoclip "Stripped" rechten Bildervorrat als bloße Ästhetik. Es handelt sich um eine Montage aus Aufnahmen von Leni Riefenstahls "Olympiade"-Film. (Büsser 2003, S. 41)

http://www.nadir.org/nadir/periodika...000/26/05a.htm
Gerade bei Rammstein«, behaupten Daniel Bax und Tobias Rapp in der letzten Jungle World, lasse sich vor allem eines »prächtig beobachten»: Das »Teutonen-Brimborium« der Neuen Deutschen Härte sei »kein politisches Statement, sondern eine Strategie der gezielten ästhetischen Provokation«, die auf kommerziellen Erfolg abziele. »Gelobt sei, was provoziert«, finden sie. Das ist Quatsch. »Gelobt sei, wer affirmiert« trifft es besser.

Man kann den Bandmitgliedern von Rammstein zwar schwerlich vorwerfen, Nazis zu sein, dass sie aber ausgerechnet mit Leni Riefenstahls arischen Jünglingen das Musik-Video »Stripped« aufzupeppen versuchten, ist allemal politisch. Auch wenn sich die Band dabei nichts gedacht haben will - mit den Riefenstahl-Bildern in dem Video-Clip tragen sie dazu bei, faschistische Ästhetik in Deutschland zu repopularisieren.

Damit fügen sich Rammstein (...) einer rechtsextremen Strategie: »Das Feld von Kunst und Kultur ist alles andere als unpolitisch«, bemerkte der österreichische Neonazi Jürgen Hatzenbichler in Nation & Europa bereits 1991 und rief gleichzeitig zur Herausbildung einer rechten »Gegenkultur und Alternativkultur« auf. (...)

Der rechtsextreme Kulturkampf erschöpft sich längst nicht mehr in programmatischen Absichtserklärungen, die Besetzung kultureller Räume mit reaktionären Vorstellungen und Inhalten ist in vollem Gange. Über Rammstein können sich die »echten Nazis« (Bax/Rapp) nur freuen. »Das 'Deutsche'« bei Rammstein, jubelte die Junge Freiheit vor drei Jahren, »dient als Chiffre und Symbol des Unheimlichen, auch als ironisches oder provokantes Zitat. Sie sind (...) Symptom eines ästhetischen Paradigmenwechsels, der allmählich, sehr allmählich stattfindet.«

Rammstein leistete in diesem Sinne Pionierarbeit: Mit Riefenstahl wurden Tausenden Kids die vermeintlich »positiven« Seiten des Nazismus vor die Nase gesetzt. Unter dem Label »künstlerische Freiheit« werden angebliche Tabus gebrochen. »Riefenstahls Arbeit sei ein Beispiel für gute Kunst«, zitieren Bax und Rapp ein Rammstein-Interview mit dem New Musical Express, »und daher auch nicht politisch codiert«. Hemmungslos inszenieren sich Rammstein mit solchen Statements als Rebellen: Man wolle doch lediglich der »reinen Kunst« Ehre erweisen. Dieses vorgeblich »unpolitische Rebellentum« hat mit Auflehnung gegen das »Establishment« nichts zu tun. In Deutschland, wo rechte Diskurse längst die gesellschaftliche Mitte und den popkulturellen Mainstream beherrschen, sind auch die »rechtsdrehenden Pop-Phänomene« (Rapp/Bax) der Neuen Deutschen Härte ein Teil der Mehrheitsgesellschaft. Die Neue Deutsche Härte ist zunächst einmal »Deutsch«, aber gar nicht so »Neu«.

Als »Harte« neue Deutsche steht man bei der Normalisierung des Nationalen mit an vorderster Front. Rammstein, die Böhsen Onkelz oder Joachim Witt walsern fleißig um die Wette: Man wähnt sich als verfolgte Unschuld, wettert gegen die »Nazi-Keule«, bezichtigt KritikerInnen »faschistoider Repressalien« (Joachim Witt) und ist, vor Kühnheit zitternd, patriotisch . »Pathos ist eben nicht gleich Nationalsozialismus«, gab Witt im Zillo (7-8/98) zum Besten. Bei solchen Tönen ist es kein Wunder, dass er auch im NPD-Blatt Deutsche Stimme abgefeiert wird.
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Old 05-29-2006, 03:10 AM   #49
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whenhiphopdrovethebigcars schrieb: ...unterstell mir keinen scheiss, ja? mach dich da ma selber schlau bevor du die fäuste streckst - dass du´n fan bist und die harten drecksäue (die auch mal nen song wie links 2,3,4 schreiben, na und, solang sie rechtsextremismus-diskussionen als promotion aktiv nutzen um in der presse zu bleiben - sowas find ich widerwärtig) dich ja offensichtlich sowas von aufgeilen beeindruckt mich nichtmal peripher.
ja sag' mal, wie bist denn du drauf? du unterstellst mir, die fäuste zu strecken? wo bitte tu' ich denn das? ich habe dich nur in aller deutlichkeit darauf hingewiesen, dass die rammsteiner absolut keine rechten sind. nicht mal in ihren texten wird jemals in irgendeiner form rechtes gedankengut eingeflochten. schön, dass du dir solch mühe gemacht hast und fundiertes(?) material zum beweis einer nicht vorhandenen rammstein rechtslastigkeit zusammen getragen hast. fuer alle sogenannten anti-rammstein argumente gibt es allerdings auch entsprechende 'gegenbeweise'. es gibt sicherlich einige rechte gesellen, die sich gerne mal rammstein anhoeren, aber in diesem dunstkreis sind sicher auch einige, die auch U2 ganz nett finden. btw hat charles manson u. seine bande eben zu beatles songs gemordet. heisst das dann im umkehrschluss, dass beatles songs zu gewalttaten verleiten???
ich will dir mal was sagen, in meinem freundes- u. bekanntenkreis gibt es einige auslaender (zwei davon sind zudem noch afro-suedamerikanischer abstammung). keiner davon hat jemals rammstein als rechtslastige band angesehen. im gegenteil, die finden die mucke und die showelemente einfach richtig scharf.
es wir immer leute geben, die meinen sie muessen ueberall etwas hineininterpretieren, selbst dort wo nix fremdenfeindliches dahintersteckt. leider gibt es in deutschland halt immer noch grosse probleme damit wie man politisch korrekt mit der last der braunen vergangenheit umgeht.
ich habe dir auf die schnelle auch mal zwei gegenreden rausgesucht. wenn du magst, kannst du das gerne lesen.

Artikel erschienen in der WELT am Di, 28. September 2004:
Deutschlands erfolgreichster Lyriker
Nach zehn Jahren Radau sind der Dichtersänger Till Lindemann und seine Band Rammstein deutsches Kulturgut von Michael Pilz
Am Ende aller Diskussionen um das Treiben Lindemanns und seiner Kameraden klingen nun die Rammstein-Lieder selbst wie offene Briefe. Schon das Marschlied "Links, 2, 3, 4" vor drei Jahren stellte klar, dass auch Till Lindemann auf einen linksseitigen Herzschlag hört. Jetzt wehrt er sich und grollt: "Ich habe keine Lust, mich nicht zu hassen." Eine folgende muntere Wanderklampfen-Weise trägt den Titel "Los". Hier zählt der Sänger viele Attribute auf, die in der Rammstein-Diskussion gefallen sind: Geschmacklos. Geistlos. Schamlos. "Lautlos werdet ihr uns nie los!"
Das stimmt heute etwas ratlos. Worum ging es eigentlich? Als Rammstein vor zehn Jahren in die brave deutsche Popmusik einfielen, als Till Lindemann sich auf der Bühne zuverlässig selbst entzündete und brannte, als die Gruppe grimmig dazu bollerte und dröhnte, sorgte erst der Flugschau-Katastrophen-Name Ram(m)stein für gewaltigen Ärger. Danach keimte der Verdacht der Nazi-Inszenierung. Lindemanns Geschwader drehte in gespielter Unschuld trotzig einen Videoclip mit Riefenstahls Olympiabildern. Alles schmolz zusammen zum im Pop absurden Vorwurf des Kalküls. Als Lindemann zuletzt das Kannibalenlied "Mein Teil" vortrug, erneuerte der "Spiegel" noch einmal den Tadel, Rammstein lebe vom Tabubruch. Ein letztes Gefecht. Seither herrscht Ruhe.
Nun erscheint nach schöpferischer Pause eine neue Platte, "Reise, Reise". Während sich der Rest der Band zurzeit versucht, zu überschreien, dass man niemals provozieren wollte, unpolitisch sei und eigentlich extrem humorvoll, macht Till Lindemann, was er seit jeher tut. Er schweigt. Er meidet jeden offiziellen Auftritt zur Erklärung. Er lässt seine Musikanten reden, seinen Bühnenhelden singen und die Texte und Gedichte sprechen. Einerseits erscheint das klug, weil jeder künstlerische Deutungsfreiraum seiner Kunst zugute kommt. Und andererseits passt es zur düsteren Romantik seines Werks und Wirkens. Lindemann ist weltberühmt als deutscher Rocksänger und bleibt der Welt ein Rätsel.
Geboren in Leipzig vor 41 Jahren, aufgewachsen zwischen Wismar und Schwerin in einem Dorf mit dem für seine inszenierte Körperwucht sehr schönen Namen Wendisch-Rambow. Wie in Rockstar-Lebensläufen üblich, wird Till Lindemann vom Vater nicht geliebt, aber gezüchtigt, Scheidungskind und Außenseiter. Auch die Tatsache, dass Lindemann im schwächlichen, eher prüden deutschen Pop den ansehnlichen nackten Körper kultiviert hat, findet ihre biografische Begründung: Vize-Jugendeuropameister im Schwimmen über 1500 Meter Freistil. Für Olympia ist er nominiert, fährt aber 1980 nicht nach Moskau, weil er sich bei der EM in Rom selbst einen Stadtausgang genehmigt, um den Westen zu erkunden. Die Legende sagt, er habe sich zuvor im Kampf mit einer Rocker-Gang verletzt. Zum Hang, mit alten deutschen Worten zu jonglieren, passen auch die ausgestorbenen Berufe, die er lernt: Korbflechter und Stellmacher. Zunächst spielt Lindemann in der lokalen Punkkappelle First Arsch Schlagzeug. In Berlin ruft er mit Hinterbliebenen der Schwerin-Berliner Szene Rammstein als Industrial-Metal-Techno-Band ins Leben.
Vor zwei Jahren setzte ihn Gert Hof, der ebenfalls ästhetisch nicht ganz unumstrittene Lichtkünstler der Rammstein-Shows, vor eine Fotokamera. Ein Buch erschien mit Lindemann als narbigem Pierrot im rosa Tanzanzug und mit Till Lindemanns Gedichten. Vom Krawall der Band entkleidet, wirkte die morbide, schwerblütige Lyrik durchaus kunstvoll. Lindemann erklärte sich darin zum Schüler Conrad Ferdinand Meyers, scheute weder Selbstmitleid noch Knittelvers und Gothic-Kitsch. Es kamen Worte vor wie Schädelkraut und Staubgebein und Wendungen, die nur im Waidmannswörterbuch verzeichnet sind. Zum Thema "Glück" teilte er dem erschrockenen Leser mit: "Das Leben birgt auch gute Stunden / Hab Fischaugen am Strand gefunden / Werd sie auf meine Augen nähen / Kann dich dann unter Wasser sehen / Und all die bunten Wasserschlangen / Aus deinem schönen Schädel fangen." Als die Dresdner Sinfoniker aus Rammstein-Songs Orchesterlieder formten, gossen sie sein Reimwerk in eine entsprechend spätromantische Symphonik.
Damals gab er, ganz auf sich allein und seine nackt Poesie gestellt, auch Interviews. "Die Welt ist schrecklicher, als alles, was ich schreiben kann", sprach er. "Wenn Gutes passiert, rechne ich sofort mit dem nächsten Unglück." Und: "Möglicherweise bin ich zu sensibel für das Leben." Eine von der Wirklichkeit geplagte Dichterseele offenbarte ihre tragisch deutsche Weltsicht. Sie ist auch bekannt dafür, den Pop zu hassen und die Oper zu genießen. Ihre Schüchternheit bekämpft die Seele mit der alten Strategie, die Umwelt einzuschüchtern.Rammstein ist also als Band zurück. Der Hit der Tage heißt "Amerika", dort ist die Band erfolgreich wie sonst nur in Russland. Lindemann ließ sich für die Tourneen durch das Land der sorgfältigen Feuerwerker pflichtgemäß zum Pyrotechniker ausbilden. Heute knurrt er an gegen die kulturelle Arroganz Amerikas. Erst jetzt ist Rammstein wirklich als Kulturgut in der deutschsprachigen Mitte angekommen neben Herbert Grönemeyer und den Toten Hosen, Pur, den Randfichten und DJ Ötzi.
Denn die Schlachten sind geschlagen. Neben den längst überflüssigen Erklärungen zum Tun tritt Lindemanns verdrehte Poesie heraus wie nie zuvor. Das liegt zum einen daran, dass der Rammstein-Rock sich selbst als Prototyp genügt, während sich die Musik an anderer Stelle bis ins Balladeske, Schlagerhafte wagt. Das R wird nicht mehr unbedingt gerollt. "Morgenstern erschein / Auf dem Antlitz mein / Ein warmes Licht / Fällt auf mein Ungesicht." Das können nur Till Lindemann und Rammstein sein. Rammstein: Reise, Reise Artikel erschienen in der WELT am Di, 28. September 2004


und noch ein artikel
Christoph D. Brumme
Es brennt!

DEUTSCHLAND, EIN MYTHOS Im Ausland zählen sie zu den beliebtesten Deutschen, im Inland sind sie so manchen peinlich. Zum Gruselrock von "Rammstein"

Wann erhalten die Musiker der Gruppe Rammstein das Bundesverdienstkreuz? In den letzten zehn Jahren hat niemand für das Ansehen Deutschlands und für die Verbreitung der deutschen Sprache im Ausland mehr getan. Ob im Dschumanschi in Saratow an der Wolga oder auf den Gemüsemärkten von Patzcuara im Hochland von Mexiko - Deutschland ist Kult, wenn der Rammstein-Sound ertönt. Weltweit lernen Schüler und Studenten die deutsche Sprache mit Hilfe von Rammstein-Texten. Rammstein dürfte derzeit fast das bekannteste deutsche Wort auf der Erde sein, das einzige sicher, das Millionen Nicht-Deutsche mit leuchtenden Augen singen.
Im eigenen Lande jedoch gelten die Propheten wenig. Grausam, deutschtümelnd, frauenfeindlich, neuerdings schwulenfeindlich, vielleicht sogar Nazis sollen sie sein. Ja, ist die Welt denn nazistisch geworden, ohne dass wir es gemerkt haben?

"Ich mag die Leute, die ihre Arbeit lieben", begründet eine russische Studentin ihre Liebe zu Rammstein. "Superenergie, Superreime, Supertexte!" Ein Land, dessen Nationalbewusstsein intakt wäre, würde seine Edelfedern zusammenrufen, um das Phänomen in öffentlichen Streitgesprächen ästhetisch zu würdigen. Doch kaum rollt jemand das Schiller-R so schön deutsch wie Rammsteins Sänger Till Lindemann und wie es Zehntausende ausländische Schüler weltweit im Sprachunterricht üben, erbleicht man im deutschen Märchenwald. Auch Ernst Busch und das R der Sudetendeutschen und Banater Schwaben gehören zur deutschen Kultur.
Deutsch und auf der Höhe der Zeit, diese Kränkung verzeiht man Rammstein in der Heimat nicht. "Was sollen Deutsche auch so sein und klingen und aussehen wie ein aus der Sklaverei entlassener Motherfucker aus dem Mississippi Delta, warum so wie ein Gangsta / Loser aus South Central?" Rammstein haben nicht den Schuhplattler in die weltweite Popkultur eingespeist, keine Parodie von Deutschland, sondern die Märchen der Gebrüder Grimm, schaurig-schöne Schreckensgeschichten, unsere Volksweisheiten. Falls diese nazistisch gestört sind, ist es nicht Schuld der Musiker. Wer 2005 das Konzert in der Wuhlheide sah, wusste von der ersten Sekunde an: Die Jungs kommen zwar aus Mecklenburg-Vorpommern, aber hier sind keine Provinzler am Werk. Schließlich besitzen sie immer wieder die Frechheit, das Selbstbewusstsein und die Lust am Nervenkitzel, sich mit einigen der folgenreichsten Bilder der neueren Kunstgeschichte zu messen - dem Film Apocalypse now. Man konnte sich nach drei Sekunden an die Propeller-/Ventilatorgeräusche erinnern und denken: Von da kommen wir her, mal sehen, wie es weitergeht. Ein Mensch brennt, so ist man aufgewachsen, Dresden, Coventry, Vietnam, Rammstein. Wer es nicht glaubte, konnte das Video zurückspulen.
Historisch gesehen war das neu. Vor der Erfindung des Kinos und des Fernsehens brannten die Menschen meist als Hexen oder in den Märchen, die man sich erzählte. Man konnte nicht im Sessel sitzen und zugucken. Man musste es sich vorstellen. Es war eine größere Gehirnaktivität nötig. Die erzählende Stimme war die eines Menschen, der einem gegenübersaß, den man kannte. Dieser reale Mensch erzählte Märchen wie Das eigensinnige Kind, das nur aus vier Sätzen besteht. Das eigensinnige Kind will nicht auf seine Mutter hören. Welche konkrete Anweisung es verweigert, wird nicht gesagt. Deshalb muss es sterben. Es wird ins Grab gelegt. "Kein Arzt konnte ihm helfen, selbst der liebe Gott hatte kein Wohlgefallen an ihm". Leider "ragt sein Ärmchen noch in die Höhe", deshalb "muss die Mutter selbst ans Grab gehen und mit der Rute aufs Ärmchen schlagen, und nun erst zog es sich hinein, und das Kind hatte nun Ruhe unter der Erde".
Mit solchen Geschichten gestaltete man früher Familienabende. Gerippe fallen durch den Schornstein, Totenköpfe werden gedrechselt, kleine Mädchen in Tierkadaver eingenäht, es ist schon ein munterer Sadismus, den man in unseren Märchen antreffen kann. Typisch deutsch: Man zieht in die Welt, um das Fürchten zu lernen.
Bei Rammstein gibt´s mehr Optimismus: "Ein kleiner Mensch stirbt, nur zum Schein, wollte ganz allein sein. Das kleine Herz stand still für Stunden, so hat man es für tot befunden. Es wird verscharrt im nassen Sand, mit einer Spieluhr in der Hand. Der erste Schnee das Grab bedeckt, hat ganz sanft das Kind geweckt."
Rammstein ist böse und deutsch und ironisch und lebensbejahend bis zur Ekstase - eine explosive Mischung, der weltweite Erfolg zeigt es. Sie sagen nicht, ob sie rechts oder links stehen. Sie zelebrieren den Jahrhundertschritt, frei nach Wolfgang Mattheuer: "Sie wollen mein Herz am rechten Fleck doch seh ich dann nach unten weg! Da schlägt es Links! Links! Links 2-3-4". Sie streifen als weiße Wölfe durch die Landschaft. Sie lassen sich von Schneewittchen verhauen. Sie singen: "Ich will in Beifall untergehen!" - Etwas anderes tut die Politik auch nicht, bloß bezieht sie sich auf die Menschenrechte. "Ihr sollt mir vertrauen", das klingt bei Rammstein glaubwürdiger als aus dem Mund von Angela Merkel.
Kunst enthält oft ein Element der Affirmation, der Bejahung des Seienden ohne moralische Bewertung. Es kann eine naive, "unreflektierte" Betrachtung der Welt sein, wie sie in der Literatur etwa von Imre Kertész im Roman eines Schicksallosen gebraucht und zu Recht gewürdigt wurde. Da erscheint der SS-Mann als reinliche Gestalt, fast als schöner Mensch, denkt sich sein 14-jähriges Opfer. Und die Stärke der naiven Sicht besteht darin, dass die erzählende Figur nicht nach ihrer Schuld sucht, wie etwa noch Kafkas Josef K., sondern Ja sagt, auch wenn dieses Ja an das Piepsen der Maus Josefine erinnert. Auch Picassos Guernica ist ein affirmatives Werk, was nicht bedeutet, dass es den Krieg bejaht, sondern die Verpflichtung, den Schrecken des Kriegs in einer Intensität zu zeigen, die zumindest an das reale Erlebnis des Krieges erinnert. Der Schrecken entspringt dem Gegenstand, nicht dem Auge.

Rammsteins Ja klingt ziemlich laut. Es ist schließlich Rock-Musik. Mit Rammstein darf man sich gruseln, klar. Weil Gruseln klasse ist. Weil nicht nur Kinder das Gruseln lieben. Weil man nicht weinen muss, wenn die Renten um zwei Prozent sinken. Weil Rock dionysisch ist. Weil es ein Menschenrecht aufs Gruseln gibt, zumal wenn "intelligente Waffen" gebaut werden können, im Namen von wem auch immer.

Man muss nicht traurig sein, um militant sein zu können, meinte Michel Foucault. Man muss die Ohren nicht hängen lassen angesichts der Gräuel der Geschichte, denn davon wird nichts besser. Man darf sich - als Künstler - dem Grauen hingeben, es genießen, darf auf der Schneide der Rasierklinge tanzen, bevor man ins Herz der Finsternis reist. Man darf als Stalker durch verbotene Zonen wandern. Man darf mit Feuer spielen, das in den Rammstein-Konzerten "in immer neuen Formen aufscheint: schaurig, schön, erschreckend, hitzig, wahnwitzig" (Thorsten Zahn). Man hat sogar die Pflicht dazu. Noch leben wir, auch wenn die Vögel tot vom Himmel fallen, was etwas gespenstisch anmutet. http://www.freitag.de/2006/12/06121201.php
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Old 06-04-2006, 02:53 AM   #50
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fade artikel, geschrieben von dummen kritikern (die wir alle hassen) - und ich find die musik und die aussagen trotzdem scheisse. wenn rammstein wenigstens gut wären. aber nicht mal das schaffen sie. das was ich bisher gehört habe, ist sauschlecht produziert. was interessieren mich dann die pipi-gitarren und das gegröhle von ein paar... ja, wie nennen wir sie jetzt, hooligans, nazis, glatzen, oder als was vermarkten sie sich denn, als hippies oder punks oder als dalai lama?

du kommst rüber wie ein eminem fan, der damit argumentiert wie witzig und phantasievoll dessen reime sind, statt die gewaltverherrlichung zu kritisieren. aber bitte, geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. ich bevorzuge alte scheiben von nina hagen. oder den hosen. oder grönemeyer: ein besipiel für gutes songwriting.

rammstein und insbesondere lindemann sind im vergleich dazu lächerlich. die provokationen halten sie halt in den medien. ob joe schmus von nebenan ein nazi ist oder nicht interessiert ja auch keinen affen. bei leuten die in der öffentlichkeit stehen interssiert das schon, und wenn sie ein ganz klein wenig weniger raffgierig wären täten sie uns allen einen gefallen. provokation, das verkauft mehr platten. wenn sie nicht so miese musik schrieben, hätten sie das garnicht nötig.

wenn das alles is geh ich jetzt wieder schlafen.

du darfst trotzdem ein fan bleiben.

nur bitte nerv mit nicht mit noch einem deutschen lobgesang.
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Old 06-06-2006, 04:29 AM   #51
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Old 06-16-2006, 11:47 PM   #52
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NaBkalt und trube sind die Tage im Soatherbst. Die aaleuchtenden Farben des Herbstlaubes sind verschwubden. Die Felden liegen grau und ode da, und in den Furcchen der Acker stehen trube Wasserpfutzen. Die Nachte sind allmahlich kalt geworden. Esbeginnt zu frieren, und am Morgen bedeckt eine dunne Eisschicht die Wasserpfutzen. Nach den Frostnachten liegt weiBer Reif auf Dachern und Baumen. Aber eines Tages ballen sich die grauen Wolken dichter zusammen. Vereinzelt tanzen, vom Winde getrieben, ein paar Schneeflockne durch die Luft. Der Flokenfall wird dichter und dichter, und endlich breitet sich eine weiBe Decke uber das weite Land.
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Old 08-20-2006, 11:30 AM   #53
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Ich bin nicht Deutsch, aber Ich kann ein bisschen Deutsch sprechen.
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Old 11-08-2006, 02:18 PM   #54
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Jeder U2 Fan kennt zumindest ein deutsches Wort

Jeg kan snakke Dansk en bede.
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Old 05-25-2007, 07:48 AM   #55
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Hello hello....

sind hier noch leute aus NRW bzw Köln und Umgebung?
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Old 08-08-2007, 04:29 PM   #56
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Ich frage mich ob hier überhaupt noch irgendjemand ist.
Hab hier auch schon eine Ewigkeit nicht mehr reingeschaut.
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Vincent Vega is offline   Reply With Quote
Old 08-12-2007, 10:33 AM   #57
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Originally posted by Vincent Vega
Ich frage mich ob hier überhaupt noch irgendjemand ist.
Hab hier auch schon eine Ewigkeit nicht mehr reingeschaut.

jetzt sind es wenigsten schonmal 2...
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Old 08-27-2007, 08:11 PM   #58
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Originally posted by AtomicBoy



jetzt sind es wenigsten schonmal 2...



wenn wir wollen auch mal 3! bin kein deutscher, aber bin in Stuttgart geboren und war dort fuer runde 16 jahre. Da fehlet mir ja die spaetzle!
Gruss!
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Ich spreche nur ein bisschen Deutsch.

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Old 12-22-2007, 12:49 PM   #60
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